Lohnsteuerausgleich 2026: Antrag, Freibeträge, wer profitiert
7. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert für 2026
Der Lohnsteuerausgleich — genauer: der Lohnsteuerermäßigungsantrag — ist die einfachste Möglichkeit, jeden Monat weniger Lohnsteuer zu zahlen. Im Gegensatz zum jährlichen Steuererklärung-Ausgleich wirkt er sofort: Der Freibetrag wird in deine ELStAM eingetragen und dein Arbeitgeber berücksichtigt ihn automatisch beim nächsten Gehalt. Wer hohe Werbungskosten hat, kann so 1.000 bis 2.000 € pro Jahr an Liquiditätsvorteil holen — und muss nicht bis zur Steuererklärung warten.
Was ist der Lohnsteuerausgleich?
Der Begriff wird oft verwechselt. Korrekt ist:
- Lohnsteuerermäßigung (Lohnsteuerausgleich im engeren Sinne): Antrag auf Freibetrag in ELStAM, monatliche Reduzierung der Lohnsteuer
- Einkommensteuerveranlagung (Lohnsteuerausgleich im weiteren Sinne): jährliche Steuererklärung, bei der zu viel gezahlte Lohnsteuer erstattet wird
In diesem Artikel geht es um den ersten Fall — die laufende Lohnsteuerermäßigung. Sie ist für jeden Arbeitnehmer sinnvoll, der Werbungskosten über dem Pauschbetrag von 1.230 € hat oder andere Abzüge geltend machen kann.
Welche Freibeträge kann ich eintragen lassen?
Über den Lohnsteuerermäßigungsantrag können alle Werbungskosten, Sonderausgaben und Freibeträge geltend gemacht werden, die die Lohnsteuer mindern. Die wichtigsten Posten:
- Werbungskosten-Pauschbetrag (1.230 €): automatisch, kein Antrag nötig — nur wenn mehr Werbungskosten anfallen
- Entfernungspauschale: bei über 20 km einfacher Strecke zur Arbeit (0,30 €/km für 1. – 20. km, 0,38 €/km ab 21. km)
- Homeoffice-Pauschale: bei regelmäßiger Arbeit von zu Hause (6 €/Tag, max. 210 Tage = 1.260 €)
- Beiträge zur Riester-Rente: Eigenanteil über die Zulagen hinaus
- Beiträge zur bAV: Arbeitnehmeranteil über 4 % der BBG
- Unterhaltsleistungen: an Kinder oder Ex-Partner (bis 9.408 €/Jahr)
- Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften (z. B. Aktienverluste)
- Außergewöhnliche Belastungen: Krankheitskosten über 1.900 € zumutbare Belastung
Beispielrechnung: 2.000 € Werbungskosten
Stell dir einen 35-jährigen Single vor, Steuerklasse I, 50.000 € Brutto. Er hat 2.500 € Werbungskosten pro Jahr (700 € Fortbildung, 1.800 € Entfernungspauschale, 600 € Arbeitsmittel-Sammelposten).
- Werbungskosten-Pauschbetrag: 1.230 €
- Tatsächliche Werbungskosten: 2.500 €
- Beantragter Freibetrag: 2.500 – 1.230 = 1.270 €
- Steuerersparnis pro Monat (Grenzsteuersatz 26 %): 27,50 €
- Steuerersparnis pro Jahr: 330 €
Die Ersparnis fließt jeden Monat direkt auf dein Konto. Bei der Steuererklärung am Jahresende wird der Freibetrag dann gegen die tatsächliche Steuerlast verrechnet — wenn alles passt, gibt es keine Nachzahlung.
Wie und bis wann beantragen?
Formular: „Antrag auf Lohnsteuerermäßigung" — entweder als PDF beim Finanzamt holen oder direkt über Elster ausfüllen.
Frist für 2026: Antrag bis spätestens 30. November 2025, damit der Freibetrag ab 1. Januar 2026 in ELStAM eingetragen wird. Spätere Anträge gelten ab dem Folgemonat.
Gültigkeit: Der Freibetrag wird in der Regel für zwei Jahre berücksichtigt, danach musst du einen neuen Antrag stellen.
Wer profitiert am meisten?
Der Lohnsteuerausgleich ist besonders lohnend für:
- Berufspendler mit hoher Pendlerpauschale: 30 km zur Arbeit × 220 Tage × 0,33 €/km = 2.178 € Freibetrag
- Homeoffice-Nutzer: 210 Tage × 6 € = 1.260 € Freibetrag
- Steuerklasse-V-Beschäftigte: Die hohe Lohnsteuer der Klasse V kann durch Freibeträge deutlich gesenkt werden
- Minijobber und Midijobber: Mit hohem Verdienst im Übergangsbereich und Steuerklasse VI
- Eheleute mit Kindern: Bei außergewöhnlichen Belastungen oder Unterhaltsleistungen
Praxis-Tipps
1. Realistisch schätzen. Übertreib den Freibetrag nicht — sonst gibt es eine böse Nachzahlung bei der Steuererklärung. Lieber konservativ ansetzen.
2. Belege sammeln. Das Finanzamt kann den Antrag prüfen und Belege verlangen. Wer sauber dokumentiert (siehe Werbungskosten-Ratgeber), hat nichts zu befürchten.
3. Jährlich neu beantragen. Freibeträge laufen nach 24 Monaten aus. Wer nicht jährlich neu beantragt, zahlt im dritten Jahr plötzlich wieder mehr Lohnsteuer.
4. Mit Steuererklärung abgleichen. Wenn du am Jahresende eine Steuererklärung machst (freiwillig oder pflichtig), wird der Freibetrag verrechnet. Wer zu viel Freibetrag hatte, muss nachzahlen — wer zu wenig hatte, bekommt eine Erstattung.
Fazit: 1.000 € Liquiditätsvorteil sind realistisch
Der Lohnsteuerausgleich ist eines der unterschätztesten Steuerspar-Themen in Deutschland. Wer Werbungskosten über dem Pauschbetrag hat, sollte den Antrag stellen — und profitiert von 1.000 bis 2.000 € zusätzlicher Liquidität pro Jahr, ohne am Jahresende nachzahlen zu müssen (sofern die Schätzung stimmt). Rechne mit unserem Brutto-Netto-Rechner durch, wie viel Lohnsteuer du aktuell zahlst — und ermittle, wie viel du über den Lohnsteuerausgleich sparen kannst.
Probier's selbst aus: Mit unserem Brutto-Netto-Rechner kannst du sofort berechnen, was bei deinem Gehalt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben netto übrig bleibt.
Zum Brutto-Netto-Rechner →Verfasst von Redaktion Steuerrechner.de · Zuletzt aktualisiert: 7. Juli 2026
Die Redaktion von Steuerrechner.de recherchiert und aktualisiert alle Inhalte auf Basis der offiziellen Programmablaufpläne des Bundesfinanzministeriums und der aktuellen Beitragssätze der Sozialversicherung.
Quellen & weiterführende Links
Alle Angaben in diesem Artikel beruhen auf den folgenden amtlichen Quellen und wurden beim Verfassen geprüft:
- Bundesministerium der Finanzen (BMF)
Aktuelle Steuergesetze, Programmablaufpläne (PAP) und amtliche Hinweise zur Lohnsteuer und Einkommensteuer.
- Statistisches Bundesamt (Destatis)
Offizielle Verdienststatistiken, Medianlöhne nach Branchen und Regionen, alle vier Jahre aktualisiert.
- Bundesagentur für Arbeit – Sozialversicherung
Beitragssätze zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, Bezugsgrößen und Beitragsbemessungsgrenzen.
Stand: August 2026 · Alle Werte ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte wende dich an dein Finanzamt oder einen Steuerberater.
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